NextCycle #005 – Mehr Strategie, weniger Reaktion: Obsolescence Management mit Ulrich Ermel Fortec

(0:00 - 0:55)
Ulrich, es freut mich sehr, dass du bei mir bist, hier im Podcast Next Cycle, um das Thema Obsolescence Management. Lass uns einfach mal so starten. Stell dich einfach mal ein paar wenigen Sätzen vor, was sollte man zu dir wissen? Okay, ja, also ich bin der Ulrich Ärmel, Elektroingenieur und Unternehmer, habe mich schon lange mit dem Thema Obsolescence Management befasst, damals auch schon in der Bachelorarbeit, damals als ich noch jung war und ja, es ist ein spannendes Thema, lässt mich nicht los seitdem.

Das kann ich mir gut vorstellen und auch natürlich in deiner Rolle bei Vortec ist es auch ein wichtiges Thema. Ja, lass uns da mal so rein starten. Wie geht ihr so bei Vortec als der Mittelständler mit seinen vielen Standorten mit dem Thema Obsolescence Management um? Ja, also Obsolescence Management beschäftigt uns tatsächlich relativ häufig, weil wir natürlich eine Abhängigkeit haben von den Rohmaterialien, also von den Bauelementen und deren Verfügbarkeit.

(0:56 - 1:34)
Wir merken es auch im Bereich der Panels, wenn wir für unsere Displaylösungen Panels einkaufen, hast du da eben auch immer das Verfügbarkeitsthema, dass die relativ schnell abgekündigt werden und wir haben zum Glück eine sehr gute Kundenbeziehung immer, wo wir mit dem Kunden gemeinsam auch Redesign-Zyklen sprechen können. Ja, wir haben natürlich auch mal die Situation, dass wir Last-Time-Buy bevorraten, aber wir haben auch relativ viel, wo wir proaktiv schon sagen, okay, das wird mal ein Redesign geben und dann nur ein Bridge-Buy machen. Also wir versuchen, das Thema Obsolescence Management über den Engineering-Ansatz zu lösen, nicht über den reinen Kaufmanagement, sondern primär über das Engineering.

(1:35 - 2:11)
Also wenn ich so nachfragen darf, fehlt die Richtung, frühzeitig Redesigns machen, kleinere Anpassungen an Produkten machen, um das frühzeitig rauszubekommen, ohne große Bevorratung. Richtig, ja, und es geht auch darum, den Kunden halt von vornherein transparent zu machen, dass das Panel vermutlich nur drei Jahre gebaut wird und man dann halt schon rechtzeitig hergeht und sagt, okay, jetzt machen wir Design-Freeze drei Jahre, aber uns ist klar, es wird nicht für 30 Jahre eingefroren. Wenn der Kunde das sucht, dann muss man andere Lösungen mit ihm einfach im Vorfeld schon besprechen und vielleicht auch kein exotisches Panel hernehmen, sondern eins, was dann halt auch in der Verfügbarkeit Nachfolger bekommen wird.

(2:12 - 5:01)
Vielleicht auch noch mal nachgefragt, wie ist so bei euch die Basis von einem Obsolescence-Management? Geht ihr auch mit Daten um? Was macht ihr mit euren Bombs? Habt ihr da ein Monitoring oder wie geht ihr da vor? Wir sind vom Materialstamm her auf SAP und jetzt in der anderen Business Unit auf Business Central. Da ist das Material erst mal getrackt und zusätzlich in Ergänzung gibt es natürlich Tools, die man nutzen kann, von Silicon Expert, Z2Data und ganz viele andere auch, die da etabliert sind. Da sind wir jetzt noch dran, uns zu überlegen, für welchen Anbieter wir uns da final entscheiden.

Das haben wir jetzt mal getestet und sind eigentlich ganz zufrieden mit dem Testergebnis. Spannend, vielleicht auch da so in dem Bereich eine Rückfrage. Habt ihr dann ein Team, was das Thema Obsolescence-Management betreut? Wie kann ich mir das so vorstellen? Ist das beim Engineering angesiedelt? Wir haben es tatsächlich gesplittet, also Einkauf, Produktmanagement und Engineering.

Es senkt ein bisschen davon ab, wo die Ownership von dem Produkt ist. Also wenn wir jetzt ein Produkt machen, was unser eigenes ist, dann ist die Ownership beim Produktmanagement. Wenn wir jetzt ein Produkt haben, das wir mit dem Kunden gemeinsam machen, dann ist es beim Vertrieb und beim Projektmanagement beispielsweise angesiedelt.

Immer in enger Abstimmung mit dem Engineering und dem Einkauf. Ich verstehe, also hängt immer ein bisschen davon ab, wie das Produkt geartet ist. Wenn du jetzt so reinschaust auf eure Produkte, gibt es einen Risikofaktor, wo du sagen würdest, das sind so die Komponenten, die Elemente, die uns besonders Probleme machen? Ja, also je näher du in das Thema Consumer-Elektronik kommst.

Im Bereich der Datenvisualisierung haben wir ja sehr viele Panels im Einsatz. TFT-Panels, OLED-Panels und so weiter. Die haben natürlich eine sehr hohe Schlagzahl.

Auch Speicher haben eine hohe Schlagzahl. Prozessoren geht einigermaßen, aber das sind sicherlich so die Gruppen, die am meisten, sag ich mal, sich häufig ändern. Wobei das auch die Gruppen sind, die sehr nah immer an ihrer Basis steckt bleiben, auch wenn sie quasi abkündigen und den Nachfolger rausbringen.

Heißt dann für euch, dass ihr dann doch noch relativ einfach habt, den Nachfolger zu implementieren? Ja, das geht teilweise relativ leicht. Klar, wenn du jetzt so Medical-Zulassungen hast oder Luftfahrtgeschichten, dann wird es natürlich schwierig. Ja klar, die ganzen Tests, die da notwendig werden, ich kenne.

Das Schöne ist, bei denen, die heftigen Zulassungen haben, sind die Stückzahlen relativ niedrig, so dass du dir eigentlich auch über einen Last-Time-Buy oder einen Bridge-Buy noch zusätzlich Zeit reinholen kannst. Klar, das geht bei der Masse dann entsprechend nicht. Das Lustigste ist, muss man echt sagen, das ist immer so mein persönliches Highlight bei dem Last-Time-Buy oder Bridge-Buy ist, dass du halt wirklich eine volle Wareneingangskontrolle machst, wenn du die Ware kriegst, weil da sind auch schon immer lustige Sachen passiert, dass man dann später feststellt, die Ware, die wir eigentlich gekriegt haben, die war irgendwie doch nicht so gut.

(5:01 - 5:15)
Da hatte der Hersteller noch einen Fehler und das fällt dann zu spät auf und dann hast du natürlich Riesenprobleme. Nee, bin nicht ganz bei dir. Du hast dann natürlich die Thematik, du verlässt dich vollkommen, dass die Ware gut ist und wenn du dann nicht ausreichend testest, das kann dir ziemlich um die Ohren stischen.

(5:17 - 8:29)
Ja, vielleicht auch den Blick auf eure Lieferanten gerichtet. Habt ihr da irgendwelche Maßnahmen, wo ihr sagt, ihr kontaktiert die proaktiv, wie helfen die euch beim Obsolescence-Management? Also wir haben jetzt relativ neu, auch für das Lieferkettengesetz, heißt anders, aber ich kürze immer ab. Für ESG haben wir ein Supplier-Questionnaire aufgesetzt, wo wir also auch das Thema JEDEC-konforme Informationen voraussetzen und mit den Lieferanten abprüfen und es ist so, dass wir die Roadmaps mit unseren Herstellern immer zyklisch durchsprechen und dann halt frühzeitig in der Planung vom Hersteller mit eingebunden zu sein, um zu wissen, okay, das verzögert sich noch oder die Abkündigung kommt schneller.

Da sind wir relativ viel im Austausch. Das ist jetzt aber nicht so systemgestützt, sondern es ist tatsächlich ein manueller Roadmap-Abgleich-Prozess, bei dem die ganze Firma eigentlich immer mithilft. Okay, also vielleicht auch noch ein Bereich, wo einfach noch in Zukunft noch ein bisschen Weiterentwicklung stattfindet.

Wo man sicherlich auch noch mal über das Thema Digitalisierung sprechen kann. Momentan ist es, ich finde es aber auch ganz gut, weil unsere Produktmanager sowohl im Power-Bereich als auch im Datenvisualisierungsbereich immer nah mit dem Hersteller zusammenarbeiten und durch dieses Roadmap-Review kriegen die natürlich auch mit, was für neue Produkte kommen und alles. Also das ist so ein Geben und Nehmen.

Also ich sehe das manuelle Aufwand wird ja immer so per se als schlecht gesehen. In dem Fall finde ich es gut, weil man halt mit dem Lieferanten gemeinsam spricht und da ist immer ein guter Erkenntnisgewinn dabei. Nee, bin ich voll und ganz bei dir.

Man muss ja auch immer bedenken, wenn es so eine Abkündigungswerdung kommt, hat der derjenige, der rausbringt, in der Regel schon ein Jahr oder eineinhalb Jahre davor gearbeitet. Und es ist ja dann dieser Endpunkt von seinem Prozess, dass du ein Produkt ausfährst. Das ist ja schon alles davor passiert.

Richtig. Und wenn du natürlich früher Insights hast, kannst du natürlich ganz anders reagieren und sagen, du, wir haben vielleicht Bedarf. Ja, man kann das Blatt nochmal werfen.

Genau, und du kannst halt mit Einfluss nehmen. Du kannst sagen, hey, ihr wisst schon, unser Projekt geht erst los. Ihr wollt es abkündigen, aber unser Projekt fängt erst an.

Und je früher das der Hersteller auch weiß, es kündigt ja keiner wegen einer bösen Absicht ab. Sondern das ist eigentlich Wissen an der Stelle, das geteilt gehört in der ganzen Supply Chain. Klar, und wenn dann entsprechende Bedarfe mitkommen und es jetzt nicht an der Uhr liegt, dass es nicht mehr verkauft werden darf, dann kann es einfach da nochmal zum Positiven sich wenden.

Richtig, richtig. Ja, lass uns vielleicht so ein bisschen weg von Vortik hin zu dir gehen. Deine Beziehung zum Obsolescence-Management.

Vielleicht so direkt gefragt, was reizt dich an dem Thema persönlich so? Also ich finde, das Obsolescence-Management war ja immer so ein unbeliebtes Stiefkind. Damals, als ich damit angefangen habe, vor 15 Jahren. Mittlerweile ist es nicht mehr so.

Und was mir damals schon so gut gefallen hat beim Obsolescence-Management ist, dass es sehr facettenreich ist. Du hast eigentlich einen sehr guten Überblick, weil es alles irgendwie betrifft. Deswegen man hat, wenn du im Obsolescence-Management von einem Unternehmen arbeitest, dann lernst du eigentlich das ganze Unternehmen kennen.

Also es gibt eigentlich keine bessere Trainingsstelle als das Obsolescence-Management. Wenn man jetzt so für Nachfolgen des Managements sich überlegt, weil die lernen alles kennen. Die lernen den Einkauf kennen, die Produktion, das Engineering, den Kunden.

(8:29 - 9:00)
Es ist eigentlich Crossover. Ja, das habe ich auch schon gesagt, es ist ideal, um ein Unternehmen auch zu netzwirken. Du wirst die Entscheider kennen, die verschiedenen Bereiche und kriegst halt so einen Dachblick über alles.

Und es hilft natürlich da ungemein. Und es ist auch in jedem Unternehmen verschieden. Die einen haben Probleme mit der SPS, die abgekündigt ist, mit der HMI.

Die anderen haben eher die Thematik des Kondensators oder des Mikrocontrollers. Und so ist es ganz ganz vielfältig. Ja, das macht es technisch herausfordernd, macht Spaß.

(9:00 - 10:06)
Und weil du halt die unterschiedlichen Stakeholder im Unternehmen immer drin hast, das macht auch echt Laune. Ja, was denkst du, wieso ist Obsolescence-Management so ein Thema, was so unsexy ist? Obwohl es eigentlich total entscheidend ist und wichtig. Das Blöde ist, da hat sich leider nicht so allzu viel getan die letzten Jahrzehnte, ist, dass es im Budget schwer abbildbar ist.

Es ist ein Kostenblock. Fürs Management ist das ein unvorhergesehener Kostenblock, der eigentlich immer nervt. Ja, weil es kommt eine Abkündigung genau dann, wenn eigentlich gerade alles schön funktioniert.

Das heißt, du hast immer erstmal diesen Schockmoment. EOL ist da. Oh nein, jetzt müssen wir wieder von vorne und so weiter.

Das ist deswegen, das nervt für die Leute. Weil sie einfach sagen, ich will einfach das Projekt sauber, dass es in Ruhe durchläuft. Und dann hast du halt diese Impacts von der Seite.

Das nervt und du kannst es schwer budgetieren. Und die Frage ist dann allein beim Obsolescence-Management, auch von der Organisation, nicht nur Prozess, sondern auch Organisationsseite her, wo sitzen die überhaupt? Da tun sich viele Unternehmen richtig schwer zu überlegen, wer ist jetzt eigentlich verantwortlich dafür. Ja, das kann ich mir gut vorstellen.

(10:06 - 11:49)
Auch die Thematik durch die ganzen Last-Time-Buys, es wird halt viel Kapital gebunden. Das ist mir auch schon aufgefallen, das hat bei manchen Unternehmen einfach vor Unbehagen gesorgt. Man sieht, wie viel Kapital dort gebunden wird.

Und das will man ja eigentlich nicht. Ja, richtig. Aber dann muss man natürlich auch immer wieder verkaufen.

Das ist wichtig, um halt die Produkte weiterfertigen zu können. Das einzige Gute ist managementseitig, also eigentlich gehört das Obsolescence-Management tatsächlich in eine Stabstelle oder eine Führungsposition im Unternehmen, weil man eben nur so viel übergreifend arbeitet. Und was man in Richtung Finance auch echt sagen muss, ist, dass das gebundene Kapital in Form von bevorrateten Bauelementen ja auch, je nachdem welche Kundenverträge geschlossen worden sind, kann das ja auch relativ kostenarm realisiert werden.

Klar hast du das Kapital gebunden, aber du kannst, du musst beispielsweise nicht zwangsläufig abschreiben. Und was auch viele nicht wissen, die dann einfach dafür 100.000 Euro Komponenten im Lager haben und dann anfangen das auch noch abzuschreiben, obwohl sie einen garantierten Kundenvertrag dagegen haben. Und das kann man auch steuerrechtlich ja auch noch mal anders betrachten.

Also so schlimm ist es dann, wenn man tiefer einsteigt, ist es oft gar nicht so schlimm, wie es auf den ersten Blick aussieht. Aber es hat halt jeder erstmal Angst. Ja, ein richtig guter Punkt, was auch mir auffällt, viele haben keine Kostenstelle dafür.

Das macht es auch schwierig. Die Kostenstelle hilft schon mal allein die Kosten natürlich vom Obsolescence-Management zu tracken. Und wenn es dann aber in Richtung Opportunitätskosten geht, dann wird es noch schwieriger.

Weil man sieht halt nicht, wenn dieser Worst-Case nicht eingetreten ist. Viele Unternehmen werden dann erst richtig aktiv, wenn sie es mal wirklich auf die Schnauze geflogen sind und dann gebrannt hat. Und dann fangen sie meistens erst richtig an, wenn sie überhaupt kein Obsolescence-Management haben.

(11:51 - 16:01)
Ja, was denkst du, was müsste man tun, dass Obsolescence-Management endlich die notwendige Reichweite bekommt, die es verdient? Also was eine echt gute Initiative schon mal war, ist diese berufsbegleitende Fortbildung oder auch das Personal Development, Career Development, was es ja über die IOM auch in Großbritannien schon gibt. Ich denke, das ist der richtige Schritt. Ich denke, die Community muss einfach deutlich mehr und noch weiterhin so aktiv bleiben und noch mehr Aktivitäten starten, damit das Obsolescence-Management einfach für jeden ein Begriff ist.

Ja, ich weiß noch, als ich angefangen habe, Obso-was? Wie heißt es? Ja, Obsos-Dengsbums und so, da haben die Leute das nicht mal aussprechen können. Mittlerweile, und das ist doch schon mal ein schöner Erfolg, kann es fast jeder aussprechen und weiß zumindest, dass das Thema nicht darum geht, Produkte bewusst so zu designen, dass sie schnell kaputt gehen, nichts mit der geplanten Obsoleszenz zu tun hat, sondern dass das eigentlich die Guten sind im Sinne der Nachhaltigkeit, die versuchen, Produkte lang am Leben zu halten. Ich glaube, da gehört einfach noch mehr Lobbyarbeit betrieben und die Fahne hochgehalten.

Wenn du so zurückblickst, du hast gesagt, vor 15 Jahren ging es los, was hat sich in der Zeit im Obsolescence-Management so verändert? Also, wie gesagt, echt super, die Leute können es mittlerweile aussprechen, das ist schon mal ein Top-Number-One-Achievement, was man da geschafft hat. Was man auch schön sieht, ist, dass dieser ursprüngliche Ansatz, man tauscht sich frei von Interessenskonflikten rein sachbezogen zum Thema Obsoleszenz-Management aus, dass diese Communities, wie beispielsweise eine COG oder auch die IOM, dass die weiter gewachsen sind, das freut mich persönlich sehr, weil es einfach zeigt, dass in der Industrie einfach auch ein hohes Interesse besteht, miteinander zu kollaborieren, was ja immer so, ja, früher hat jeder so sein eigenes Süppchen gekocht und mittlerweile arbeiten die einfach anhand dem Thema zusammen, um einfach die Sachen besser zu machen. Das ist sicherlich ein großes Thema, was schon geschafft wurde.

Was mich auch freut, ist, dass es im Thema Standardisierung ja weitergegangen ist. Wir haben mittlerweile eine Norm dazu, wir haben einen Smart-PCN-Standard, den es gibt, der, sage ich mal, auf einem guten Weg ist und von vielen, sage ich mal, bekannt ist. Also, da ist schon einiges passiert in der Zeit.

Und wenn wir jetzt so die Perspektive wechseln, die Zukunft, was siehst du so für Herausforderungen? Ich glaube, eine große Herausforderung, aber gleichzeitig auch Chance ist, dass man im Rahmen der Digitalisierung mehr zusammen in ein Tool packt. In der Vergangenheit waren viele Tools als, ja, ich gebe dir als Schnittstelle die Lifecycle-Daten, du lädst die Bomben hoch. Das ist aber eigentlich zu kurz gedacht.

Eigentlich muss ja der Entwickler, wenn er anfängt, ein Produkt zu designen, wenn er das Produkt anklickt, die Komponente anklickt in seinem CAD-System, schon sehen, Achtung, ich klicke gerade ein Produkt ein, was schon zwölf Jahre alt ist. Diese Info muss eigentlich durchgängig da sein, bis hin zu einem integrierten Case-Management, sprich, die Abkündigungsmeldung kommt rein, ist digital vorgefertigt und schlägt in deinem Verwaltungssystem gleich auf und sagt, Achtung, du hast ein EOL-Teil, welche Lösung machst du? Und dann kann man auch vorher mit dem Kunden Lösungen schon besprechen, die dann ohne groß Tarar einfach auch gleich gezogen werden. So eine Art interaktiver, voll integrierter Obsolescence-Management-Plan, der, sage ich mal, toolgestützt in der Software schon vorhanden ist.

Das, denke ich, ist eine Herausforderung, weil es halt sehr viele Anbieter gibt und es nicht klar ist, wie so ein System genau aussieht. Es gibt schon gute Ansätze, aber so voll integriert mit SAP etc. gibt es es halt noch nicht.

Aber es ist halt auch die Chance dagegen. Da bin ich bei dir und auf was ich da auch ganz häufig stoße, ist, dass eben die Entwickler auch diese Informationen nicht bekommen, weil die müssen diese Informationen schon haben, wenn sie ihre Produkte designen, weil man da halt sehr viele Probleme schon proaktiv frühzeitig auch verhindern kann. Ja, du hast gerade so ein bisschen die COGD angeschnitten.

(16:02 - 16:27)
Ich würde mal interessieren, wie bist du damals zur COGD gekommen? Das ist ja schon ein bisschen her. Ja, ist ein bisschen her und das war, ehrlich gesagt, eine ganz für mich tolle Geschichte. Ich war als Werkstudent bei TQ damals tätig und dann hat mein damaliger Bereichsleiter, das weiß ich noch, der Frank Wittenberger hieß der, der hat dann irgendwann gesagt, du, da gibt es so ein Thema Obsolescence Management.

(16:27 - 20:49)
Das ist für uns wichtig, weil wir halt für einen großen Kunden Sachen bauen, die lange verfügbar sein sollen. Magst du dir das mal tiefergehend anschauen und mal gucken, was wir da gemeinsam machen können? Und was ganz gut war und das ist auch eins der Erfolgskriterien, ist, dass die Geschäftsführung von der TQ damals da komplett dahinter gestanden ist und gesagt hat, wir brauchen da was. Ja, wir wären Mitglied bei der COG und das ist doch eine gute Idee und engagieren wir uns dort.

Und dann hat man, sag ich mal, über die COG gelernt, hat die Themen aufgenommen, hat in kürzester Zeit einen sehr schönen, kompakten Überblick bekommen, konnte sich dann vertiefen und naja, dann hat mich das Thema nicht mehr losgelassen. Ja, das zeigt doch recht schön, dass du dann Vorstandsvorsitzender quasi der COGD geworden bist. Und was mich da einfach interessieren würde, was war so deine Vision als Vorsitzender des Vorstands bei der COGD? Also damals waren wir ja noch relativ klein und eine der wichtigsten Visionen war, dass wir einfach mehr Interest generieren, dass die Leute mehr das Thema auf den Schirm bekommen und es hat ja eigentlich ganz gut geklappt, also es gab einen schönen Mitgliederzuwachs zu der Zeit und das Wichtigste für mich war, dass das keine konventionalisierte Plattform wird, sondern dass es ein Netzwerk bleibt, das Leute motiviert, Info von sich preiszugeben und im Gegenzug aber auch Informationen bekommen, die sie sonst nicht bekommen würden.

Das ist ein bisschen wie das Linux, das Obsolescence-Management. Genau, das sollte eine Open-Source-Grundsatz, so eine Art Open-Source-Community sein, wo jeder frei von irgendwelchen geschäftlichen Zwängen oder Profit oder was einfach sagt, hey, wir haben da ein Thema, was sagt denn der Ingenieur dazu und was sagen denn andere Ingenieure dazu und haben die auch das gleiche Problem. Selbsthilfegruppe könnte man jetzt böse auch dazu sagen, aber es ist eine schöne Community gewesen.

Das war immer mein Ansinnen. Wir haben ja dann auch diese Regeln eingeführt, dass wir aus gewissen Branchen eine Obergrenze behalten, um nicht in eine Richtung abzudriften. Natürlich Hersteller aus unterschiedlichen Marktsegmenten da sein, dass wir aber die komplette Supply-Chain auch mit abbilden und jetzt nicht nur sagen, der eine darf und der andere nicht, sondern dass wir alle Elemente in der Supply-Chain mit drin haben, die Hersteller mit drin haben und teilweise sogar Kunden, was natürlich auch mega ist, dass Betreiber mit drin sind, die ja dann am Ende die eigentlich richtig Betroffenen sind.

Ja klar, gerade wenn man so in Richtung Tramschaut, Straßenbahnen, Stadtwerke, aber auch dann Langzeitlagungen als Thema oder Procourage ganz generell, wenn es darum geht, obsolete Komponenten noch irgendwie am Markt aufzutreiben, einfach die volle Bandbreite. Ja und wenn du jetzt so auf die Zeit guckst, was habt ihr erreicht in der Zeit? Also die Vision, dass jeder Obsolescence-Management aussprechen kann, hatte ich ja schon gesagt. Ja, und ich glaube, dass die Leute auch ein Verständnis davon haben, dass Obsolescence-Management nicht die Bösen sind, sondern die Guten, die versuchen im Sinne der Nachhaltigkeit Produkte langfristig stabil verfügbar zu halten und auch, wenn das nicht gelingt, sie zumindest reparierbar machen.

Und das freut mich, dass das gelungen ist, dass man über Obsolescence-Management offen sprechen kann, dass es die Datenbanken gibt, die sich kontinuierlich weiterentwickelt haben. Das sind alles sicherlich gute Effekte und was mich besonders freut ist, dass man damals, haben wir ja erst die Grundsteine gelegt für eine Internationalisierung, es gab ja zuerst Großbritannien, dann die COGD und jetzt sind weitere Chapters dazugekommen mit USA und Frankreich und das freut mich natürlich total, dass man das erreicht hat, dass man auch global einfach zusammenarbeitet, weil die Ingenieure einfach wie im Fibiani-Kodex, ich weiß nicht, ob du den noch kennst, einfach an dem Thema zur Verbesserung der Gesamtsituation beitragen können. Ich denke, ein gutes Beispiel war jetzt auch die einen Konferenz in Paris im Oktober, da hat man auch gesehen, wir hatten Leute da, egal ob Südamerika, Südafrika, aber auch europaweit, war sehr spannend und da einfach mit in den Austausch zu gehen, das ist genau da, wo man hin möchte.

(20:50 - 21:11)
Richtig, richtig. Ja, vielleicht auch da noch mal so ein Blick in Richtung Verbandsarbeit. Wie sieht die gute Verbandsarbeit aus? Ist es das, dass man so sagt, wir sind sehr offen, teilen Wissen ohne Hintergedanken oder? Ich glaube, ein Verein hat ja einen großen Vorteil, er ist ja nicht verpflichtet, sage ich mal, Gewinne abzuliefern.

(21:12 - 22:33)
Das ist schon mal ein großer Vorteil. Auf der anderen Seite hat ein Verein, ein Verband natürlich auch Kosten, das heißt, du musst schon schauen, dass du die Kosten irgendwie im Griff bekommst, damit, sage ich mal, das Ganze weiterlaufen kann. Das heißt, eine gute Kombi ist für mich, das Abwägen, zu sagen, wir haben schon Mitgliedsbeiträge, die dazu führen, dass man was machen kann, aber die nicht einfach nur zu horten, sondern auch wieder zurückzugeben und dann vielleicht gewisse Veranstaltungen zu machen oder gewisse Benefits den Mitgliedern zur Verfügung zu stellen, damit dieser Mitgliedsbeitrag sich auch irgendwie bezahlt macht für jeden Einzelnen.

Nicht nur inhaltlich, sondern auch, dass man sieht, hier gibt es eine Aktion, hier gibt es eine Aktion. Das gehört für mich dazu. Also ich sage es mal salopp, man könnte auch sagen, frag nicht, was der Verband für dich tut, sondern was du für den Verband machen kannst.

Perspektivwechsel. Genau, aber trotzdem hat der Verband natürlich eine gewisse Verantwortung und ich glaube, die ist bei der COG ganz gut abgebildet, bei der COGD und auch bei der IOM International recht gut abgebildet. Und eben nicht zu sagen, wir haben eine Community, die exklusiv ist, wo Geld gehortet wird, um dann, sage ich mal, teuer irgendwo Abendessen zu gehen, sondern das Geld wird bewusst in das Thema fachliches Weiterkommen investiert.

(22:33 - 23:43)
Klar, und auch natürlich Networking in dem Bereich, dass man sich vernetzen kann, auch versteht, was gibt es in dem Bereich, was ist für mich jetzt als OEM zum Beispiel relevant, je nach Perspektive. Und was natürlich das absolute Spektakel ist, ist natürlich dann bei der IOM, da geht dann schon auch richtig viel Geld drauf, aber ist dann natürlich der Papierflieger-Wettbewerb, der ist immer legendär, das kann man nur sagen, kann jeder, muss er mal erlebt haben, das ist echt was Besonderes. Kann ich nur so zurückgeben, es war dieses Jahr in Paris wieder.

Aber nicht in Spanien, oder? Nein, ich bin da nicht so talentiert, ich bin ganz ehrlich. Ja, dann hast du dich so auch aus dem Vorstand zurückgezogen, was waren vielleicht das und deine Beweggründe, die Perspektive? Also mir hat es sehr viel Spaß gemacht und das war eigentlich eine rein private Entscheidung, weil zu der Zeit war klar, ich werde zum ersten Mal Vater und frisch geheiratet, zum ersten Mal Vater, dann steht irgendwann das Thema, sage ich mal, Wohnraum an. Deswegen war dann für mich einfach die Frage, wie viel Zeit kann ich effektiv noch einbringen und es war schon Zeit, die ich eingebracht habe, viel Freizeit.

(23:44 - 25:22)
Und da willst du natürlich dann schon auch eine gewisse Prio haben in deinem Leben und das Thema ist gut, die Community ist da, da ist auch der Kontakt nie abgerissen, aber es ist natürlich eine Community, es ist nicht deine Familie und deine Familie sollte schon bei allem Businesswahnsinn und fachlichen Wahnsinn und bei Hobbysachen, die einen beschäftigen, sollte die Familie nicht unter die Räder kommen und hat ohnehin schon einen hohen Preis bezahlt und bezahlt es momentan immer noch, so dass man da schon gewisse Grenzen auch einfach setzen muss und da habe ich mich eben entschlossen, mich nicht mehr zur Wahl zu stellen und ich finde, dass die Nachfolger das alles sehr gut gemacht haben. Niklas, verstehe ich einfach so eine Verschiebung der Prioritäten, die manchmal einfach zum Leben dazugehört. Lass uns da vielleicht auch noch so einen Blick auf heute COGD werfen.

Was hat so ein Stellenwert die COGD heute für dich? Ja, was mich total gefreut hat, ist, dass sie für ehemalige Vorstände tatsächlich eine Ehrenmitgliedschaft machen. Ich habe mich echt geehrt gefühlt, als ich die bekommen habe, als Ehrenkunde. Auf der anderen Seite habe ich mir gedacht, hups, jetzt werde ich alt, jetzt kriege ich Ehrenpreise.

Okay, weiß nicht, ob das so ein gutes Zeichen ist. Ich nähere mich dem, oder ich habe den Zenit schon überschritten. Nee, Spaß beiseite.

Das hat mich gefreut, hat einen hohen Stellenwert. Durch die vielen beruflichen Stationen, durch die ich dann danach gegangen bin, ist leider nie so viel Zeit übrig geblieben, um zu jedem Quartalsmeeting zu gehen. Aber wenn es eine Möglichkeit gibt, gehe ich immer wieder gerne hin und auch bei der IOM, wenn es eine Möglichkeit gibt, teilzunehmen, weil da trifft man alle.

(25:22 - 25:38)
Da hast du nicht nur die Kollegen aus der COGD, sondern international. Dann versuche ich mir da immer den Freiraum zu nehmen, um dort zu sein. Es ist ja auch nicht ausgeschlossen, dass man mal den einen oder anderen trifft, der, sage ich mal, auch beruflich mit einem zu tun hat, was ja auch eine schöne Kombi ist.

(25:39 - 25:46)
Ja, klar. Und schlussendlich, ohne deinen Besuch bei der IOM in Paris, würde jetzt auch dieses Gespräch nicht zustande kommen. Das ist richtig, ja, stimmt.

(25:47 - 30:15)
Ja, lass uns vielleicht jetzt noch zum Abschluss in die Richtung gehen, zu der Zukunft des Obsolescence-Management. Was denkst du, was sich so die nächsten fünf Jahre verändern wird? Mehr zur Software hin vielleicht? Ist das so dein Gedanke? Software, ja. Also dieses Thema volle integrierte Tools, finde ich, wird sicherlich ein großes Thema in den nächsten Jahren.

Auf der anderen Seite ist das sehr reaktiv. Es ist einfach reaktiv, weil du sagst, okay, es passiert was, also wird reagiert. Proaktiv, ja, es könnte was passieren.

Strategisch, ja, ich mache das so, dass der Impact möglichst wenig gering ist und so. Also das eigentlich Interessante ist für mich das Thema, wie entwickle ich Produkte. Da kommt einfach mein Entwicklerherz immer wieder raus, an der Stelle zu sagen, wie kann ich ein Produkt bauen.

Und damit ich im Obsolescence-Fall wenig Probleme habe oder dass ich ein Produkt auch reparieren kann. Und ich finde, das Thema Reparatur gerade für Produkte, die Zulassungen haben, wird noch unterschätzt. Also ich würde mich freuen, wenn wir die nächsten Jahre im Obsolescence-Management mehr über das Thema Build-to-Obsolescence, nicht im Sinne von, dass es kaputt geht, sondern eher im Sinne von, dass man eine lange Lebenszeit sicherstellen kann per Design.

Aber auf der anderen Seite auch hergehen kann und sagen kann, dieses Thema Feldrückläufer, defekte Geräte, noch mal neu zu denken. Weil das ist momentan auch sehr reaktiv gehandelt bei vielen. Und wenn da Produkte gut entwickelt sind, die gut zu reparieren sind, glaube ich, ist das ein toller Vorteil.

Nicht nur für das Obsolescence-Management, sondern auch für das Thema Circular Economy, wo du einfach Produkte wiederverwenden kannst, upgraden kannst. Überhaupt mal reparieren kannst. Überhaupt mal reparieren kannst, genau.

Und ich finde auch ganz wichtig, dass man das Thema Werkstoffe ein bisschen breiter betrachtet. Aluminium, Holz. Holz ist so ein Thema, wo ich immer denke, warum arbeiten wir eigentlich so wenig mit Holz? Holz ist eigentlich ein guter nachwachsender Rohstoff.

Wäre doch auch mal eine Überlegung wert. Freut mich dann, wenn ich dann so Sachen sehe, wie bei der ETH in Zürich, wo man jetzt also erstmalig schon Leiterplatten anstelle von FR4 mit Holz hergestellt hat, auch Multilayer, die man dann benutzen kann. Und das finde ich super.

Also das ist für mich auch eine Form von Obsolescence-Management, zu sagen, wie kann ich ein Produkt so bauen, dass, wenn das Produkt selbst am Ende des Lebenszyklus ist, entweder reparierfähig ist oder auch recycelfähig ist. Klar, und es muss auch zu der Anwendung passen. Vielleicht ist es kein Board, was in die Luftfahrt muss, Temperaturschwankungen hat, keine Vibrationen.

Muss auch einfach dann zum Anwendungsfall passen. Genau. Also da denke ich, im Engineering liegt noch richtig viel Potenzial, was Obsolescence-Management angeht.

Und ja, wir wissen nicht, wie sich die Lieferketten entwickeln. Obsolescence-Management ist aktueller denn je, weil du morgen nicht weißt, was kriege ich noch aus Asien, was kriege ich wo aus Asien, was kriege ich nicht mehr, wo habe ich welche Zölle und so weiter. Das zahlt ja alles auch auf das Thema Supply Chain ein, ähnlich wie das Obsolescence-Management.

Das heißt, wenn ich mich im Obsolescence-Management gut auskenne, bin ich automatisch im Supply Chain-Management, jetzt sage ich mal, was das Know-How angeht, schon relativ weit. Und das ist doch der Battle, den wir momentan alle führen. Das ist der Battle der Supply Chains.

Wer hat die sichere, bessere, vernünftigere, verlässlichere Zulieferkette? Und da wird Obsolescence-Management auch noch eine große Rolle drum spielen. Ja, das ist auch ganz spannend. Das ist auch eine Initiative, wo ich mich mit engagiere.

Das ist Proudly Engineered in Europe, noch ein bisschen unter dem Radar, aber auch wieder den Gedanken mitzunehmen, zu sagen, es kann auch Sinn machen, Partner auch hier in Europa zu haben, die halt meine Lieferkette dann sichern. Ja, ich habe vielleicht ein bisschen höhere Preise, die ich covern muss, dafür habe ich halt den Benefit der höheren Resilienz meiner Lieferkette. Genau, genau.

Ja, vielleicht auch so der Blick Richtung KI. Denkst du, die würde uns da auch helfen, Obsolescence-Management, vielleicht so PDNs analysieren oder andere Felder? Die KI erhält ja überall Einzug. Das Einzige, was die KI nicht kann, und das ist mein größter Kritikpunkt, ist, sie kann mir die Wäsche nicht bügeln, sie kann meine Wäsche nicht waschen und sie kann das Essen nicht kochen.

Bei allem anderen ist sie ziemlich gut. Und sie wird auch im Obsolescence-Management eine Rolle spielen, das ist klar. Wobei ich jetzt nicht glaube, dass sie im Obsolescence-Management einen besseren oder schlechteren Impact hat, als in allen anderen Bereichen.

(30:17 - 33:36)
Das wird an allem gleichermaßen mit Spuren vorbeigehen. Ja, lasst uns mal als vorletzte Frage in die Richtung gehen. Wie würdest du an Unternehmen appellieren, welches das Thema Obsolescence-Management einfach nicht ernst nimmt? Ich würde es wahrscheinlich gar nicht appellieren, sondern würde mir denken, die lernen schon noch.

Also, man muss immer ein bisschen aufpassen. Das ist ja auch ein großer Kritikpunkt immer bei der Einführung der E-Mobilität in Deutschland gewesen, dass die, die dann die E-Mobilität nutzen, schon fast missionierend unterwegs sind. Ja, du musst aber und denk doch und so weiter.

Und sobald man anfängt zu missionieren, gibt es immer jemand, der es natürlich nicht cool findet. Deswegen ist auch der bessere Weg zu sagen, hey, das Thema gibt es, wir sind da und wenn du die Erfahrung gemacht hast, dann kommst du. Und wenn du sie nicht gemacht hast, dann wünsche ich dir, dann machst du entweder schon alles richtig, da musst du eh nicht dazu kommen oder du wirst es irgendwann lernen und dann ist es ein normaler Lernzyklus.

Und dann ist es aber auch ein toller Vorteil, wenn es die Community gibt, weil die holt dich dann relativ schnell dort ab, wo du stehst und du fängst nicht bei null an. Also von dem her ist der Appell klar, ihr könnt jetzt sagen, nehmt das Thema ernster oder so. Der Appell ist eigentlich, wenn du dir feststellst, du kriegst ein Thema, dann je früher, desto besser ins Netzwerk mit den Leuten sprechen und nicht bei null anfangen im kleinen Kämmerlein, sondern sich einfach unterhalten.

Ja, im Endeffekt ist es dann ein riesen Booster, weil du halt Abkürzungen nehmen kannst und nicht die gleiche Fehler machen musst wie die anderen, die vielleicht fünf Jahre gebraucht haben, bis sie mal an den Punkt waren. Das Tolle ist ja, dass das Wissen alles da ist und die Firmen das ja auch preisgeben und sagen, wir haben das ausprobiert, hat nicht funktioniert, wir haben das ausprobiert, nicht funktioniert, das funktioniert am besten bis jetzt. Ja, das ist ja ein riesen Zugewinn.

Klar, und vielleicht gibt es schon ein anderes Startwort, nämlich jetzt mal, oder einen anderen Bahnbetreiber, der macht das schon sehr erfolgreich, dann kann ich mich da einfach der Best Practice anschließen. Genau, genau. Ja, so als Abschlussfrage, was würdest du jemandem Jungen, der jetzt überlegt, in den Obsolescence-Management-Bereich zu gehen, mitgeben? Als soll er es machen? Ich glaube, dass der tertiäre Sektor generell an Gewicht bekommt.

Ich glaube, dass auch das Thema Handwerk und Engineering eine gewisse Renaissance erlebt, weil es einfach immer weniger gibt, die das wirklich gut können und wollen. Demzufolge, wenn sich jemand für Obsolescence-Management interessiert, kann ich es eigentlich nur unterstützen. Während dem Studium oder während der Ausbildung, super, um in die Themen reinzukommen, um einen schönen Überblick über das Unternehmen zu bekommen, ist das perfekt geeignet.

Und wenn ihm so ein Obsolescence-Management nicht gefällt, dann kann die Person ja immer noch sagen, Mensch, das OM war zwar nichts für mich, aber im Einkauf hat es mir gut gefallen oder im Vertrieb hat es mir besser gefallen oder im Engineering und findet dann dort seinen Ort. Klar, und da hilft wieder das Netzwerk, das aufgebaut wurde und die Einblicke, die man während dessen bekommen hat. Ja Uli, dann sage ich Danke.

Schön, dass du heute da warst. Danke dir, schön, dass ich da sein durfte. Ja, und wir schauen in meine Richtung der Zuschauer und Zuhörer.

Es kommen viele weitere Folgen, auch hier aus Ägypten. Wir sind gerade in Ägypten und es freut mich, dass ihr dabei wart und kommentiert, drückt gerne drunter, wie euch die Folge gefallen hat. Vielen Dank.

NextCycle #005 – Mehr Strategie, weniger Reaktion: Obsolescence Management mit Ulrich Ermel Fortec
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